FERRAGOSTO IM ERZKATHOLISCHEN ITALIEN:                        Die teuerste Urlaubswoche des Jahres

Ein kühler Drink an einem sauberen, möglichst nicht überlaufenen Strand

- das ist der Wunschtraum eines jeden Urlaubers.

Und das bleibt er, wie viele ausländische Urlauber alljährlich Mitte August feststellen.

Die Preise für Unterbringung, Kost und auch Souvenirs sind die höchsten des Jahres, das Service mittelmäßig bis schlecht, die Qualität lässt oft zu wünschen übrig. Falls Sie also einen Blitzurlaub in Italien im Kopf haben sollten, fahren Sie erst gegen Ende August. Da müssen Sie an Autobahnmautstellen und Stadteinfahrten nicht stundenlang warten und werden in Bars, Trattorias und Restaurants freundlich begrüßt und bedient!

Ferragosto am Strand...
Ferragosto am Strand...

Am 15. August feiern die Katholiken weltweit „Mariä Himmelfahrt“. Der Papst zelebriert diesen hohen Feiertag mit der Heiligen Messe und dem Angelus-Gebet in Castel Gandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz. Die Feierlichkeiten werden von tausenden Menschen vor Ort oder vor dem Fernseher verfolgt.

Doch das angeblich so erzkatholische Italien feiert im Freundes- und/oder Familienkreis mit Strandfesten, Grillparties, unermesslichen Ess- und Trinkgelagen und Riesenfeuerwerken den „Ferragosto“. Man grillt Fisch oder Fleisch, schlägt sich den Bauch mit Antipasti und Lasagne, Cannelloni oder anderer „pasta al forno“ voll und begießt kräftig mit Bier oder Wein.

Bereits bei Tagesbeginn werden die Strände belagert. Gegen Abend liegen Schlafsäcke und Zelte so knapp nebeneinander, dass man das kühlende Nass nur mit Mühe erreicht.

... ein Strand nach Ferragosto.
... ein Strand nach Ferragosto.

Gasflaschen für Beleuchtung und Campingküchen werden neben unzähligen hohen Holzstößen errichtet, die die heiße Nacht erwärmen und erhellen. Musik aus tragbaren Stereos und Gitarrenklänge unterstreichen die feuchtfröhliche Atmosphäre, die irgendwann mit einem Massenbad im nachtdunklen Meer endet. Exzesse jeder Art sind Teil dieser Riesenfeste: es wird getrunken und, geraucht (nicht nur der legale Tabak), nackt gebadet und oft kommt es zu grundlosen Prügeleien.

Alle Einheiten der Polizei, Carabinieri und Rettungsdienste sind im Dauereinsatz, unzählige Unfälle und Verletzungen, von Brandwunden über Insektenstiche bis hin zu Autounfällen, halten die Einsatzkräfte in Alarmzustand.

Die Betreiber von Strandbädern, Pizzerias, Trattorias, Restaurants und Diskotheken haben schon seit Jahrzehnten den wirtschaftlichen Wert des „Ferragosto“ erkannt und scheffeln in dieser Nacht mehr Geld, als sonst in einer Woche.

Hotelbetreiber setzen für die Woche des „Ferragosto“, die auch heute noch die klassische Ferienwoche der meisten italienischen Betriebe ist, den Preis auf „altissima stagione“, also „allerhöchste Hochsaison“. Man darf sich also nicht wundern, wenn man rund um den 15. August für ein Zimmer in Italien 30 bis 50 Prozent mehr bezahlt, als eine Woche davor oder danach.

„Ferragosto“ bedeutet, wörtlich übersetzt, „eiserner August“ und bezeichnete bereits zu Seiten des Antiken Roms den heißesten Tag des Sommers, den absoluten Höhepunkt, bevor die Temperaturen nach und nach zurückgehen und man sich dem Herbst nähert. Unter den Italienern gibt es viele, die sich an den wahren Grund dieses roten Kalendertages nur entfernt erinnern – aus den Zeiten des Katechismus vor der Heiligen Kommunion und Firmung (Konfirmation).

Es ist Tatsache, dass der starke Glaube den Italienern nachgesagt wird, da der Vatikanstaat (rein zufällig) von italienischen Hoheitsgebiet umgeben ist. Doch in Italien gibt es ebenso viele (oder wenige) gläubige Katholiken, wie in jedem anderen Land - und nur ein geringfügiger Teil besucht an Sonn- und Feiertagen die Heilige Messe.

Um der „Untreue“ der Schäfchen entgegenzuwirken, organisieren viele Pfarrer einen „falò“ (Lagerfeuer) unmittelbar nach der frühabendlichen Messe vor ihrer Kirche, die Prozession am Strand oder direkt auf den Fischerbooten.

Das Sprichwort „tutto il mondo è paese“ (wörtlich: die ganze Welt ist ein Dorf) beschreibt die katholischen Italiener am besten, deren Kirchenbesuche sich auf Hochzeiten, Taufen, Erstkommunion, Firmung und, letztendlich, Begräbnisse beschränken. Davon ausgeschlossen sind natürlich die Observanten, die strenggläubigen Menschen, die am „Ferragosto“ Mariäs Himmelfahrt zelebrieren!