KAISERIN SISI's ALTWIENER KÜCHE: Einspänner, Kaiserschöberl, Bröselknöderl, Paprikahendl, Fiakergulasch & Co.

Kaiserin Elisabeth (Sisi)
Kaiserin Elisabeth (Sisi)

Die Österreicher, vor allem die Wiener, reden einfach anders!

Was Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, natürlich schon längst bekannt ist. Also gut! Werfen wir einen näheren Blick auf das "Wienerische", das bereits beim Leibeswohl, sprich in der Küche, beginnt.

Der Ursprung der meisten Ausdrücke liegt in der Donaumonarchie, zu der Zeit, als Kaiserin Sisi noch Königin von Ungarn war. Und trotzdem seither mehr als Hundert Jahre vergangen sind, ist vor allem das Wiener Küchenlatein nicht nur den deutschsprachigen Nachbarn, sondern auch den Bewohnern der westlichen Bundesländer Österreichs oftmals unverständlich und - vor allem - unerklärlich.

Beginnen wir mit einem einfachen Beispiel.

Einspänner (Kutsche)
Einspänner (Kutsche)

In Wien bezeichnet das Wort Einspänner ein Fuhrwerk, das von nur einem Pferd gezogen wird. Aber auch eine Kaffeespezialität, die mit Mokka, Schlagobers (Sahne) und Staubzucker zubereitet wird. Oder aber ein einzelnes Frankfurter Würstel, eben das, was im Ausland "Wiener Würstchen" genannt wird. Doch manchmal ist ein Einspänner auch eine einzelne Debreziner, die Brühwurst mit Paprika, die ihren Ursprung in der ungarischen Stadt Debreczen hat. Sicher ist, dass man dazu Senf, auch Kren (Meerrettich) und eine Kaisersemmel (handwerklich zubereitetes Brötchen) oder ein Stück Brot isst.

Alles klar soweit? - Sehr gut! Weiter also, mit unserem Wiener Küchenlatein.


Einspänner mit Senf, Kren, Brot
Einspänner mit Senf, Kren, Brot

Abgesehen von Wadschinken und Schwammerln, dem Dampferl und der Blunzn, der Einmach und der Nuss (nein, nicht die mit der Schale, sondern das so bezeichnete Fleischstück) gibt’s da noch das Scherzl und das Schulterscherzl. Ersteres ist der Anschnitt vom Brot, normalerweise vom Wecken (längliches Brot), Letzteres das Fleischstück, das man in Deutschland aus dem Flachen Bug schneidet.

Und jetzt sagen Sie mir nur nicht, dass das nicht logisch ist!


Und das, was allgemein Gulasch genannt wird, ist eigentlich ein Pörkölt oder ein Paprikás, je nachdem ob bei der Zubereitung Sauerrahm verwendet wird, oder nicht. Denn ein Gulasch ist eine Gulaschsuppe und ein Tokányi weder ein Pörkölt, noch ein Paprikás, noch ein Gulyás.

Beim Nachkochen bitte nicht vergessen, dass Sauerrahm (auch "saurer Rahm") kein Schmand ist, denn der ist dreimal so fett. Man muss ja nicht mehr Kalorien verkochen, als unbedingt nötig! (Sehen Sie, dass ich lächle?)

Einspänner (Kaffee)
Einspänner (Kaffee)

Das war jetzt meines Erachtens glasklar! Oder nicht?

Falls Sie jedoch Lust haben, noch mehr über diese eigenartige Wiener Sprache zu erfahren und sich in Ihrem Magen das Gefühl breitmacht, dass man langläufig Hunger nennt...

Dann empfehle ich Ihnen das Wienerisch-Deutsche Küchenwörterbuch und die unzähligen Rezepte aus der Alt Wiener Küche in den Kochbüchern der Serie!

 

Tauchen Sie ein in der kulinarischen Welt der Donaumonarchie! Fiakergulasch, Bröselknöderl, Kaiserschöberl, Paprikahendl, Tafelspitz und viele andere Gerichte warten darauf, von Ihnen nachgekocht und verkostet zu werden!

Andrassy-Gulasch
Andrassy-Gulasch

Noch etwas "Pikantes" aus dem Leben der Kaiserin:

Um die Jahrhundertwende, dem Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert, war die k. u. k. Monarchie noch in vollem Gange. Die beliebte Kaiserin Sisi (ja, richtig, mit nur einem "s"), war bereits zwei Jahre zuvor verstorben. Ihr, der Kaiserin, die auch Königin von Ungarn war, ist die starke Verbreitung der ehemals ungarischen Küche während der Donaumonarchie zu verdanken. Man sagt der Kaiserin übrigens ein Gspusi (eine Affäre) mit dem ungarischen Grafen Gyula Andrássy nach, der dem "Gulyás Andrássy" seinen Namen gab.

 

Kaiser Franz Joseph I. stand seiner Frau um nichts nach.

Aber nein! Wo denken Sie denn hin! Das meine ich nicht in Bezug auf Gerüchte um eventuelle Liebschaften.

Fiakergulasch
Fiakergulasch

Der kaiserliche Feinschmecker und sein Hofstaat liebten die große Vielfalt der Gerichte aus den Ländern des Reichs. Die österreichisch-ungarische Monarchie war ein multikultureller Vielvölkerstaat.  Geografisch gehörten dazu das heutige Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Teile Montenegros, Rumäniens, Polens, der Ukraine, Serbiens und Italiens, die natürlich auch die Küche beeinflussten.

Es ist somit nicht verwunderlich, dass die Alt Wiener Küche eine Palette an Gerichten zu bieten hat, die so bunt ist, wie der sprichwörtliche Regenbogen.