ALLIGATOR VALLEY von Nika Lubitsch: Thrill, Emotionen und Zukunftsvisionen

Meine Meinung: Nika Lubitsch ist eine der vielfältigsten Autorinnen unserer Zeit. Sie schafft es immer wieder mich als Leserin zu erstaunen, setzt ihre Wortgewalt und ihr Können in breitestem Spektrum der literarischen Genres ein. Doch niemals hätte ich erwartet, dass sie mich zu Tränen der Rührung treiben könnte (… als Billy auf die kleine Bühne im Stadion steigt und ganz alleine die amerikanische Nationalhymne zu singen beginnt).

Man stelle sich unsere bereits heute technologieabhängige Welt in 39 Jahren vor. 2053. Wenn einfach nichts mehr ohne Satelliten funktioniert, die Lebenserwartung der Menschen um weitere Jahre angestiegen ist und die Reichen unter ihnen mit einem kleinen Eingriff einfach nicht mehr altern. Hundertjährige mit dem Aussehen von Sechzigjährigen, mental in Topform und deshalb frustriert, da sie ihr Wissen und ihre fachliche Kompetenz nicht mehr beruflich umsetzen dürfen. Eine Welt, in der die „normalen“ Menschen nach dem 75. Geburtstag keine ärztlichen Kuren mehr erhalten, egal in welchem Land der Erde sie leben. Diejenigen, die es sich leisten können, kaufen sich in einem der vier „Alligatorenstaaten“ ein, so wie Rentner heute ihren Ruhestand in einer Finca auf Mallorca oder einem Strandbungalow in Thailand verbringen.

Bis plötzlich nichts mehr funktioniert. Alle Satelliten fallen aus, GPS funktioniert nicht mehr, Flugzeuge werden fluguntauglich und das World Wide Web gibt ebenso den Geist auf, wie die Coms (Handys).

Vor diesem Hintergrund wechselt die Handlung zwischen verschiedenen Schauplätzen und Personen. Die einen leben in der nach dem Dritten Weltkrieg heruntergekommenen Stadt Berlin, die „Alligatoren“ und deren Fremdarbeiter in Florida. Kriminelle Aktionen beiderseits des Atlantischen Ozeans, egoistisches Verhalten, Auflehnung gegen menschenunwürdige Gesetze, kontroverse Emotionen, Mitleid und Liebe, und schließlich der Überlebenstrieb, der zum Zusammenhalt verschiedenster Personengruppen führt, sind nur ein Teil der Komponenten dieses nachdenklich stimmenden und berührenden Romans.

Es gibt keine „Zielgruppe“ für diesen Roman, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und zum Nachdenken anregt. Den Jüngeren unter uns, die nicht wissen wie es war, als man ohne Smartphones, HD-Fernsehen und Autos mit Parkassistent lebte, wird dieses Buch die Augen öffnen und diejenigen wie ich, die noch mit Holzspielzeug und Glasmurmeln gespielt haben, als sie Kinder waren, werden 400 Seiten auf einer emotionalen Achterbahn verbringen.

Meine ausdrückliche Leseempfehlung für Leserinnen und Leser jeden Alters und Genres.

Meine Bewertung auf Amazon: 5 Sterne

Klappentext: Ein 13-Jähriger wird in einem Krankenhaus in Berlin gekidnappt. Im Golf von Mexiko wird ein Casinoschiff entführt. Beide Verbrechen haben das gleiche Ziel: Die Operation von alten Menschen soll erzwungen werden.

»Alligator Valley – Krokodile weinen nicht« führt den Leser ausgehend von den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in das Jahr 2053, dessen Realität uns näher ist, als wir denken. Nach einem Cyber-Krieg ist die Welt aus den Fugen geraten. Damit die Jungen genug zum Leben haben, werden Menschen über 75 Jahren nicht mehr ärztlich betreut. Alte, die es sich leisten können, kaufen sich in die Alligatorenstaaten ein. Diese Altenrepubliken sind nach dem Alligator benannt, der doppelt so alt wird wie jedes andere Krokodil.

Der 13-jährige Urs und seine Familie in Berlin sowie die TV-Frau Alice und ihre Freunde im »Alligator Valley« sind die Helden dieses Social-Fiction-Thrillers. Als durch einen rätselhaften Zwischenfall alle Satellitenverbindungen rund um den Globus zusammenbrechen, steht die Welt vor dem Kollaps, auf den sie seit Jahren hintaumelt. Nur in den Alligatorenstaaten haben die Menschen damit kein Problem, denn die Alten haben die Technik und das Know-how von gestern. Ausgerechnet die ausgemusterten Alten könnten jetzt die Jungen retten. Aber wollen sie es auch?