RAUCHVERBOT: ITALIEN wie Singapore und streikende Touristen? Der heutige Clou aus dem "Bel Paese".

Seit 20. Januar 2003 darf in Italien in keinem öffentlichen Gebäude mehr geraucht werden. Damit war unser Staat der absolute Vorreiter der EU- Länder. In Kinos, Hotelzimmern, Krankenhäusern und Ämtern, aber auch in privaten Bürogebäuden wurden Aufenthalte, das Denken und Arbeiten, für alle Menschen gleichermaßen angenehm. Raucher mussten von einem Tag auf den anderen ihrem Laster auf Balkonen oder vor der Tür frönen. Das führte (bis heute) zu einer Abnahme der Tabakverkäufe von sage und schreibe 25 Prozent.

Die Tabakindustrie war darüber nicht glücklich, umso mehr freute sich der italienische Staat. Denn die Strafen, die sowohl von Rauchern, als auch von Besitzern von Lokalen, Büros und Betrieben kassiert wurden (und auch heute noch werden), brachten klingendes Geld in den maroden Staatssäckel.

Der Anteil der italienischen Raucher ging seit Weinführung des Rauchverbots um vier Prozent zurück. Wir leben in Italien somit seit 12 Jahren gesünder. Nichtraucher sowieso, doch auch Raucher. Vor allem, da es weniger Kettenraucher gibt. 

Die Proteststimmen von Restaurant-, Kaffeehaus- und Nachtlokalbesitzern wurden damals von Politikern geflissentlich überhört. Jeder musste selbst dazusehen, wie er seinen Kundenstamm – und somit auch seinen Umsatz – erhalten konnte. Und viele Lokalbesitzer hatten weder das Geld, um einen nach Gesetz ventilierten Raucherraum einzurichten, noch den Platz. Was sich jeder vorstellen kann, der die vielen, kleinen Lokale bei uns kennt.

Deshalb belächle ich immer wieder die Diskussionen in Österreich, wo viele Lokale immer noch ein kleineres Nichtraucherzimmer haben, doch der Großteil der Lokale verqualmt ist. Dort setzten sich - bis heute - die Betreiber von Gastwirtschaften, Restaurants, Heurigenlokalen und Diskotheken gegen die Politiker durch.

Und nun?

Heute (12. Januar 2015), knapp zwölf Jahre nach diesem historischen Ereignis, das man sich gerade in Italien nie erträumt hätte, hat die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin den Rauchern in unserem Lande erneut den Kampf angesagt. Sie will das Rauchen in Parks, an Stränden, sogar in Privatautos gesetzlich verbieten.

 

Ob wir jetzt auch „Smoking Areas“ bekommen, wie in Singapore? Ich stelle mir mit besorgter Erheiterung all die Touristen vor, die jeden Sommer die Strände meines Heimatlandes bevölkern, und genüsslich ihre Zigarette rauchen, einen aperitif dazu schlürfen, und den Tschick dann im Sand (oder zwischen den Steinen), vergraben. Was werden sie tun? Immer noch nach Italien auf Urlaub fahren, ihr Geld im Bel Paese investieren, teuer dafür bezahlen und für einen Zug am Glimmstängel hunderte von Metern weit laufen, um eine Raucherzone zu suchen?

Natürlich betrifft es auch die Einheimischen, aber wir sind ja hier zu Hause. Und wie man weiß, spielt jeder im eigenen Land mit dem Heimvorteil, kennt Tricks und Schleichwege, vor allem jedoch machen Italiener sowieso lieber im Ausland Urlaub. Und in unseren Häusern wird man uns das Rauchen wohl vorerst noch nicht verbieten.

 

Obwohl: Ich selbst rauche nicht in geschlossenen Räumen sondern nur im Freien, dort wo es erlaubt ist. Ich hasse abgestandenen Zigarettenrauch, der an Vorhängen, Tapeten oder gar an der Bettwäsche haftet. Und dem war schon so bevor das Rauchverbot kam. Aber ich bin ein Genussmensch und somit auch eine Genussraucherin. Ich rauche wenig und nur in  Momenten, in denen ich eine Zigarette in ruhe genießen kann.

 

Vielleicht sehe ich das Thema daher nur aus dem Blickwinkel der Branche, in der ich seit mehr als dreißig Jahren tätig bin und die in Italien seit Jahren so gut wie keinen Zuwachs mehr zu verzeichnen hat, eher rückläufig ist. Wer früher 14 Tage Urlaub buchte, kommt heute nur noch eine Woche. Und Italiener leisten sich lieber ein paar "Ponti" (verlängerte Wochenende) pro Jahr, als einen längeren Urlaub vor der Haustür. Sofern sie überhaupt das Geld dafür haben.


Daher, liebe (ausländischen) Raucher: Informiert euch rechtzeitig, wie die Situation in Italien gesetzlich geregelt sein wird, bevor ihr euren nächsten Urlaub bucht. Denn wenn zu den üblichen Strafen für den vergessenen Kassenbon, die getürkte Markenhandtasche, die falsche Rolex oder das Falschparken auch noch die Rauchstrafe mkommt, dann kann der Urlaub wirklich teuer werden!